Für professionelle Investoren und nicht für Privatanleger oder für US-Personen bestimmt, wie definiert in Regulation S des United States Securities Act von 1933 in der jeweils gültigen Fassung.
Vor weniger als einem Jahr, am 28. April 2025, führte eine Spannungsschwankung im veralteten spanischen Stromnetz zu einer Kettenreaktion, die 56 Millionen Menschen fast sechs Stunden lang in Dunkelheit stürzte. Die wirtschaftlichen Kosten: geschätzte EUR 1.6 Milliarden. Das Ereignis war eine der bislang deutlichsten Warnungen und zeigt eindeutig, welche Risiken entstehen, wenn jahrzehntelange Unterinvestitionen auf ein Netz treffen, das nie für die heutigen dezentralen und erneuerbaren Energiesysteme ausgelegt war.
Nach 15 Jahren rückläufigen Stromverbrauchs steht Europa nun an einem Wendepunkt. Die Stromnachfrage steigt – getrieben durch Faktoren wie Digitalisierung, industrielle Elektrifizierung, die Verbreitung von Elektrofahrzeugen und steigende Temperaturen. Gleichzeitig stösst die Energieinfrastruktur des Kontinents an ihre Grenzen, belastet durch chronische Unterinvestitionen und Netze, die Jahrzehnte vor der Energie-Transition errichtet wurden.
Dies birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Gemäss Einschätzungen von Experten, muss Europa seine Infrastrukturinvestitionen in den kommenden zehn Jahren verdoppeln, um eine Stromkrise abzuwenden. Systemkritische Assets, in die Energy Infrastructure Partners investiert – wie Übertragungsnetze, flexible Erzeugungskapazitäten und Plattformen für erneuerbare Energien – gewinnen unterdessen zunehmend an Bedeutung, da Engpässe zu höheren Renditen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Stromversorgung führen.
Unsere fünf Trends, die die Energieinfrastruktur im Jahr 2026 prägen, lassen sich direkt auf die drei Megatrends zurückführen, in die wir investieren: Digitalisierung (Nachfragewachstum, Datenzentren), Sicherheit (Netzstabilität, Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit) und Dekarbonisierung (Ausbau der erneuerbaren Energien, Molekülumstellung). Zusammen verdeutlichen sie, warum Investitionen in Energieinfrastruktur von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnen.1
1. Europäische Stromnetze: Das Billionen-Euro-Infrastrukturgebot
Mit über 40 % der Verteilinfrastruktur, die älter als 40 Jahre ist, verfügt Europa über die ältesten Stromnetze der Welt. Sie wurden nie für das heutige bidirektionale, dezentrale Energiesystem entwickelt – ein System, in dem Offshore‑Windparks auf der Erzeugungsseite mit Datenzentren und Elektrofahrzeugen auf der Nachfrageseite vernetzt werden. Ein solches Szenario hätten sich die ursprünglichen Architekten dieser Netze kaum vorstellen können.
Experten schätzen, dass Europa bis 2035 bis zu EUR 1’400 Milliarden allein in Übertragungs- und Verteilnetze investieren muss – das entspricht einer Steigerung um 60–100 % gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt. Der Betrag umfasst sowohl den Ausbau neuer Netze als auch die Kosten für die Wartung der bestehenden Infrastruktur. Dafür braucht es gemeinsames Handeln von Gesetzgebern und Investoren aus der Privatwirtschaft.
Der Verband der europäischen Netzbetreiber ENTSO-E zählt im Jahr 2026 europaweit 180 neue Übertragungsprojekte und 51 Speicherprojekte. Gleichzeitig muss die grenzüberschreitende Übertragungskapazität bis 2030 verdoppelt werden.
Netzinfrastruktur ist das Rückgrat von allem. Ohne sie können erneuerbare Energien nicht zu Verbrauchszentren gelangen, Datenzentren nicht betrieben werden und die Energiesicherheit würde ins Wanken geraten. Bei EIP investieren wir von Anfang an kontinuierlich in Übertragungsnetze – sowohl in der Schweiz als auch zunehmend international über unsere Portfoliounternehmen Swissgrid und Fluxys. Letzteres hat sich jüngst zu einem Übertragungskonzern für Moleküle und Elektronen entwickelt. – Tim Marahrens
2. Das Erwachen der Nachfrage: Europas erstes Wachstum seit 15 Jahren
Zum ersten Mal seit 2010 steigt die europäische Stromnachfrage strukturell an. Angetrieben durch Digitalisierung, industrielle Elektrifizierung, die Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen sowie heissere Sommer – die immer mehr Haushalte zum Einsatz von Klimaanlagen veranlassen – kehrte Europa laut der Internationalen Energieagentur im Jahr 2024 zu einem Nachfragewachstum zurück.
Der globale Strombedarf stieg 2024 um 4.3 % – der schnellste Anstieg, den es ausserhalb von Erholungsphasen nach Rezessionen je gab. Weiter dürfte die Nachfrage in Europa bis 2030 jährlich um bis zu 2 % wachsen und später im Jahrzehnt auf bis zu 3.5 % steigen. Dieser Wandel ist strukturell, nicht zyklisch: Er spiegelt grundlegende Veränderungen wider, wie Energie konsumiert wird – von Molekülen zu Elektronen.
Ein Treiber dieser neuen Nachfrage sind Datenzentren. Experten prognostizieren, dass der Lastbedarf europäischer Datenzentren von 10 Gigawatt im Jahr 2023 auf etwa 35 Gigawatt im Jahr 2030 steigen wird – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von rund 20 %. Dieser Trend sorgt für eine langfristige Nachfrage nach europäischem Strom. Viele Datenzentren schliessen 10–20-jährige Stromlieferverträge ab, die stabile und langfristige Abnahmebedingungen bieten und Infrastrukturinvestoren von kurzfristigen Konjunkturzyklen entkoppeln.
EIP-Portfoliounternehmen wie Repsol Renewables spielen eine Schlüsselrolle, indem sie neue Versorgungsmöglichkeiten auf innovative Weise bereitstellen. In Aragonien, Spanien, entwickelt das Unternehmen das grösste hybride Energieprojekt des Landes: Es kombiniert ein 818-Megawatt-Kombikraftwerk in Escatrón mit 805 Megawatt Windkraft. Durch die gemeinsame Nutzung eines einzigen Netzanschlusspunkts maximiert das Projekt die Effizienz der Infrastruktur und stabilisiert gleichzeitig die Versorgung – zudem wird es ein grosses Datencenter, das in der Nähe entsteht, mit über 1.6 Gigawatt erneuerbarer Energie und Notstrom versorgen. – Peter Schümers & Jaime Sanjuán
3. Moleküle im Wandel: Von russischem Gas zu einer multimolekularen Zukunft
Nach jahrzehntelanger Abhängigkeit von russischem Gas kappt Europa seine letzten Verbindungen. Die RePowerEU-Richtlinie definierte in den letzten Jahren die langfristige Strategie der EU zur Reduzierung der Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen. Erst kürzlich hat das 19. Sanktionspaket der EU den Import von russischem Flüssigerdgas (LNG) ab April 2025 verboten; langfristige Verträge laufen spätestens Anfang 2027 aus. An ihre Stelle tritt eine sich abzeichnende atlantische Energieachse, gestützt durch US-LNG und Importterminals, die inzwischen auf Rekordniveau ausgelastet sind.
Doch im Jahr 2026 geht es nicht nur um die Ablösung russischen Gases – es geht um den Aufbau der Infrastruktur für eine multimolekulare Zukunft. Dieses Jahr tritt auch das EU-Paket zum Wasserstoff- und Gasmarkt in Kraft, dass die ersten dedizierten Wasserstofftransportkorridore ermöglicht und die Umrüstung bestehender Erdgasleitungen auf Wasserstoff beschleunigt – zu einem Bruchteil der Kosten eines Neubaus. Gleichzeitig werden CO₂-Abscheidungsnetzwerke (Carbon Capture) vom Konzept zur Realität, mit nationalen Rahmenwerken für Pipelines, die Kohlendioxid von Industrieclustern zu Offshore-Speicherstätten unter der Nordsee transportieren.
EIP-Portfoliounternehmen wie Fluxys stehen im Zentrum dieses Wandels: mit LNG-Terminals in ganz Europa, die zu Türöffnern der europäischen Energiesicherheit geworden sind, und Pipeline-Netzen entlang identifizierter Wasserstoffrouten zwischen Belgien und Deutschland. Fluxys Infrastruktur ist zudem strategisch positioniert, um eine Anbindung an CO₂-Transportwege zu Speicherstätten in Grossbritannien und in Norwegen zu ermöglichen.
Die Molekülinfrastruktur des Jahres 2026 muss sowohl die heutige Erdgaslast als auch die sicherheitsrelevanten Anforderungen bewältigen sowie die Systeme für Wasserstoff und CO₂-Management von morgen aufbauen. Unternehmen, die diese Komplexität meistern, sind in der Lage, Wert aus der gesamten Energie-Transition zu schöpfen. – Marcel Schuster
4. Erneuerbare Energien im Aufwind: Der Aufstieg integrierter Portfolios
In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren Investitionen in erneuerbare Energien ein Eckpfeiler der Infrastrukturanlagen, da sie langfristige, stabile und vertraglich abgesicherte Cashflows boten. Der schrittweise Abbau von Subventionen und die zunehmende Exponierung erneuerbarer Energien gegenüber der Volatilität von Grosshandelsstrompreisen haben jedoch neue Komplexität geschaffen, die innovative Strategien erfordert.
Der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien – insbesondere von Solarparks – hat zu einem Anstieg der Null- und Negativpreise auf den Energiemärkten sowie zu verstärkten Preisschwankungen beigetragen. Diese Trends zeigen sich besonders in Europa, wo laut S&P Global Energy die Preise für Stromabnahmeverträge in Ländern wie Spanien und Deutschland weiterhin deutlich unter den kostenbasierten Niveaus für Solarenergie liegen.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen hat sich ein neues Stabilitätsparadigma herausgebildet. Im Mittelpunkt stehen Massnahmen zur Portfoliooptimierung, zur Schaffung von Flexibilität, kombiniert mit kontinuierlichem handeln auf der Marktseite. Eine weitere Strategie basiert auf vertikaler Integration und internen Markteinführungsstrategien.
Akteure, die dieses Risiko intern steuern können, sind in der Lage, höhere risikoadjustierte Renditen zu erzielen – insbesondere, wenn sie über einen internen Marktzugang verfügen, der von einem natürlichen Hedge durch vertikale Integration profitiert. Innerhalb des EIP-Portfolios sind die Wasserkraftwerke von Alpiq und deren zunehmender Einstieg in Batteriesysteme sowie das ausgeprägte vertikal integrierte Modell von Plenitude zwei Beispiele für Portfoliounternehmen, bei denen wir einen starken – und steigenden – Wert sehen. – Carlotta Piantieri
5. Die industrielle Strompreislücke: Ein Appell für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Die europäischen Industriestrompreise befinden sich weiterhin auf dem doppelten Niveau wie in den USA und liegen 50 % über den Preisen in China – eine Schere, die sich seit 2019 stark ausgeweitet hat. Damals lagen die EU-Preise 50 % über dem US-Niveau und 20 % über den chinesischen.
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Die seit Jahren hohe Energiekosten haben Teile des industriellen Kerns Europas ausgehöhlt. Der Chemiekonzern BASF begann Ende 2024 damit, Produktionslinien in Deutschland stillzulegen, während er Investitionen in China ausbaute. Dow kündigte die Schliessung dreier seiner energieintensivsten europäischen Werke an. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa stieg 2024 auf fast 200’000, den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt, wobei die Energiepreise als wesentlicher Treiber genannt wurden.
Nach dem jüngsten Rückgang der Gaspreise seit der Energiekrise 2022 ist es für europäische Unternehmen und energieintensive Industrien nun entscheidend, langfristig zu bewerten, wo sie ihre Produktion ansiedeln. Angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheiten, Lehren aus der Energiekrise und historischer Unterinvestitionen ist Europa nun bestrebt, den Teufelskreis, der mit hohen Strompreisen einhergehen kann, zu durchbrechen.
Regierungen werden attraktive Rahmenbedingungen und stabile Energiesysteme priorisieren, um vom Nachfragewachstum zu profitieren und eine nie dagewesene Menge an Investitionen zu mobilisieren. Systemkritische Energieinfrastruktur, die Zuverlässigkeit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet, wird das Fundament für Europas langfristige wirtschaftliche Stärke bilden und die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents sichern. – Caterina Mattle 2
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- Weiterführende Literatur und Quellen: „Powering Up Europe: The risk of a power crisis in Europe“ (Goldman Sachs, September 2025); „Electricity 2025, Global Energy Review 2025“ (IEA, 2025); „Ten-Year Network Development Plan 2024 & 2026“ (ENTSOE, 2025); Data center and energy analyses (McKinsey & Company, 2024-25); „PPA Price Index reports“ (LevelTen Energy, 2021-2025); „Spain blackout economic impact assessment“ (CEOE, 2025); „Return of Cheaper Gas Hasn’t Solved Europe’s Industrial Crisis“ (Bloomberg, December 19, 2025).