Einblick in Alpiq’s Nant de Drance Pumpspeicherkraftwerk

Da Energiesysteme zunehmend dezentralisiert werden und mehr erneuerbare Energiequellen integrieren, werden groß angelegte flexible Kraftwerke wichtiger denn je

Le Châtelard, WALLIS — Fast jedes Land der Welt braucht sie. Die Schweiz hat sie: Eine Möglichkeit, Energie zu speichern und dem Energiesystem dadurch Flexibilität zu verleihen. 

Die globale Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist dieses Jahr auf dem besten Weg, Energie durch Kohle erstmals zu übertreffen. Das bedeutet, dass die Energieversorgung stärker an Sonne und Wind – und weniger an stabile Energienachfrage – gebunden ist als je zuvor. Energiespeichersysteme wie Batterien und Pumpspeicherkraftwerke helfen, diese neue Volatilität auszugleichen. Und da die Energiesysteme zunehmend vielfältiger und dezentraler werden, werden solche Speichersysteme wertvoller denn je. 

Während chemische Batterien die Spitze der Innovation darstellen, machen Pumpspeicherkraftwerke, die Wasser nutzen, mehr als 90% der bestehenden Speicherkapazität aus. Sie pumpen Wasser bergauf, wenn es ein Überangebot an Strom gibt, und turbinieren es herunter, wenn der Strombedarf hoch ist. 

Ein solches System ist Nant de Drance. Es liegt in der Schweiz, tief in einem Berg auf über 2’000 Metern über dem Meeresspiegel und nur einen Steinwurf von der französischen Grenze entfernt. 

Ein von dem Schweizer Versorgungsunternehmen Alpiq und der nationalen Eisenbahn, der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), angeführtes Konsortium investierte ab 2008 zwei Milliarden Schweizer Franken in den Bau von Nant de Drance, um so das natürliche Gefälle zwischen zwei Seen in den Alpen für ein Pumpspeichersystem zu nutzen. 

Megawatt Kapazität
900
vom Kraftwerk im Jahr 2023 turbiniertes Wasser
20’000’000
Industriepartner

Nant de Drance, das nun seit fast drei Jahren in Betrieb ist, hat eine Kapazität von 900 Megawatt, vergleichbar mit dem zweitgrössten Kernkraftwerk der Schweiz. Es kann 20 Stunden unter Volllast arbeiten, bis das obere Reservoir der Anlage wieder aufgefüllt werden muss. 

Insgesamt hat das Werk im Jahr 2023 1275.5 Millionen Kubikmeter Wasser turbiniert, was dem fünfzigfachen Fassungsvermögen des oberen Reservoirs entspricht, so der mechanische Leiter der Anlage, Mike Tripodi. Dies entspricht einem Betriebsergebnis von CHF 57.9 Mio. im Jahr 2023, dem letzten Jahr, in dem Ergebnisse veröffentlicht wurden. All das ausschliesslich durch den Kauf von Strom zu niedrigen Preisen und den Verkauf zu hohen Preisen – und ohne CO2-Emissionen. 

Hinter einem Tor in den Berg, am Ende eines 5 Kilometer langen Zugangstunnels, liegt das Herzstück der Anlage. In einer Kaverne, die so lang ist wie zwei Fussballfelder, stehen sechs General Electric-Pumpturbinen, die jeweils etwa 120 Tonnen wiegen – das Gewicht eines Airbus A350 oder eines ausgewachsenen Blauwals. Sie können innerhalb von 5 Minuten von dem Pumpbetrieb zum Turbinierbetrieb durch die 425 Meter hohen vertikalen Schächte der Anlage wechseln, und das mehrmals täglich. Ein Team in Lausanne verwendet Markt- und Netzdaten, um aus der Ferne zu entscheiden, wann der Schalter umgelegt wird. 

«Unsere Kraftwerke arbeiten insbesondere dann, wenn Sonne und Wind nur ­wenig oder zu viel produzieren, und erlauben gerade dadurch, erneuerbare Energien ins ­System zu integrieren»

Antje Kanngiesser CEO Alpiq

«Unsere Kraftwerke arbeiten insbesondere dann, wenn Sonne und Wind nur wenig oder zu viel produzieren, und erlauben gerade dadurch, erneuerbare Energien ins System zu integrieren,» sagte Alpiq CEO Antje Kanngiesser in einem aktuellen Interview. Ihr Unternehmen, seit 2019 Partner von EIP, ist führend im Bereich der flexiblen Energie geworden. «Wir investieren weiter in Speicher und Flexibilität,» sagt Kanngiesser.

Obwohl nicht jedes Land den gleichen topographischen Vorteil wie die Schweiz hat, geschweige denn die technische Kompetenz und die Weitsicht für Investitionen, um ein Kraftwerk wie Nant de Drance zu bauen, hat das Kraftwerk eine Wirkung weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit ihrer Armada an Wasserkraftwerken ist die Schweiz so etwas wie eine Batterie im Herzen Europas geworden. 

«Wir sind ein kleines Land, aber wir hören von Kollegen auf der ganzen Welt, die daran interessiert sind, Speicherkapazität zu ihren Stromnetzen hinzuzufügen und mehr über Nant de Drance zu erfahren», sagt Nicolas Cherix, Betriebsleiter von Nant de Drance. «Es scheint, als hätten wir etwas, das jeder haben möchte.» 

Alpiq ist seit 2019 ein Portfoliounternehmen von EIP. Lesen Sie hier mehr über das Unternehmen.

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